Lockenhauser Kulturgespräche

3. & 4. August 2020

Die Corona-Krise -

Folgen & Chancen für den klassischen Konzertbetrieb

Erfahrungen - Aktivitäten - Aussichten


Im historisch und kulturell bedeutenden Rahmen der burgenländischen Burg Lockenhaus sprechen Geschäftsführer*innen und Intendant*innen heimischer und internationaler Kulturorganisationen, Orchester und Festivals sowie Musikschaffende, Lehrende, Komponist*innen und Kulturpolitiker*innen über Strategien zur Bewältigung der Corona-Krise, Visionen für einen Wiederaufbau des Musiklebens und mögliche Veränderungen einer Musikszene nach der Krise.

Die Coronavirus-Krise fordert von Gesellschaft und Politik in bislang ungekanntem Ausmaß neue Antworten ein. Wenn die sozialen Kontakte zur Gänze oder stark reduziert werden müssen, sind vor allem auch Kunst und Kultur existentiell betroffen. Jetzt, in der Phase des Neustarts von Kulturveranstaltungen, zeigt sich, dass eine nachhaltige Erholung für die Kulturszene noch lange nicht in Sicht ist. Mit schonungsloser Offenheit macht die Krise die fragilen Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Künstler*innen, Veranstalter*innen, Publikum und Wirtschaft sichtbar. Sie beschleunigt Entwicklungen, die durch den gesellschaftlichen Wandel und ökologische Zwänge bereits im Gange sind. Zugleich fördert sie kreative Ansätze, die im Zuge notwendiger Veränderungen neue Perspektiven eröffnen.


In dieser Zeit des Umbruchs lädt das forum:lockenhaus in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz sowie mica - music austria und der Burg Lockenhaus zum Dialog über Strategien zur Bewältigung der Corona-Krise. Im Rahmen der ersten Lockenhauser Kulturgespräche diskutieren auf der Burg Lockenhaus Geschäftsführer*innen und Intendant*innen heimischer Kulturorganisationen, Orchester und Festivals sowie Musikschaffende, Lehrende, Komponist*innen und Journalist*innen über ihre Erfahrungen mit der Krise, über Strategien und Visionen für einen Wiederaufbau des Musiklebens und mögliche Veränderungen der internationalen und heimischen Musikszene nach der Krise.


Ein besonderer Fokus liegt auf den Fragen, ob und in welcher Weise die Coronavirus-Krise Impulse für neue Veranstaltungs- und Konzertformate setzt und wie kulturpolitische Rahmenbedingungen auf einen sich verändernden Kulturbetrieb reagieren müssen. "Wenn Kunstuniversitäten und Konzertbetrieb durchlässig für junge Ideen und Anforderungen des Konzertalltags sind, können sie gemeinsam viel bewegen", bringt Georg Schulz, der Rektor der Kunstuniversität Graz, als wichtige Perspektive seiner Institution in die aktuelle Diskussion ein, "vor allem eine Transformation von Formaten, die auf zeitgemäße Art Beziehungen zwischen Publikum und Kunst stiften." 

"Neue Aufführungsformate erfordern entsprechende politische Rahmenbedingungen", so Sabine Reiter, Geschäftsführerin von mica - music austria, das Musikschaffenden beratend zur Seite steht. "Es geht beispielsweise darum, neue Formate auch durch neue Veranstaltungsorte, etwa im Freien, mit nur geringem administrativem Aufwand zu ermöglichen. Außerdem ist die gerechte Bezahlung der Künstler*innen stets im Auge zu behalten. Nur so können die stattfindenden Veränderungen nachhaltig positive Wirkung zeigen."

Im Kulturland Österreich betrifft der Lockdown der Kulturszene eine künstlerische und kulturelle Wertschöpfungskette, die jährlich rund 6 Mrd. Euro umsetzt und über 180.000 Menschen beschäftigt. An dieser - nunmehr drastisch unterbrochenen -Wertschöpfungskette sind Kulturschaffende aller Sparten, Vereine, Institutionen und Betriebe gleichermaßen beteiligt. Deren wirtschaftliche Absicherung wird durch die Corona-Krise massiv bedroht. Viele Kulturschaffende stehen aufgrund von Einnahmeausfällen überhaupt vor dem finanziellen Ruin.

"Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert." Mit diesen Worten des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker wird einmal mehr klar, dass diese Krise Kunst und Kultur als Ganzes erfasst - vom Überleben der Kulturschaffenden, der Institutionen und Betriebe bis hin zur geistigen und kulturellen Befindlichkeit der Gesellschaft. In diesem Sinne laden die Lockenhauser Kulturgespräche zur Bestandsaufnahme und zum Dialog.


INITIATOR*INNEN DER LOCKENHAUSER KULTURGESPRÄCHE 2020:

Beatrix Baumgartner-Andexlinger
Kulturmanagerin, Fundraiserin, langjährige Geschäftsführerin des Kammermusikfestes Lockenhaus, Geschäftsführerin des Vereins PODIUM.festival Österreich.

Hans-Joachim Gögl
Künstlerischer Leiter des Festivals »Montforter Zwischentöne« in Feldkirch/Vorarlberg sowie des BTV Stadtforums in Innsbruck. Veranstalter der Biennale »Tage der Utopie«.
Arbeitsschwerpunkt: Experimentelle Formate zwischen Musik und Alltagskultur.

Matthias Mayr
Programmgestalter bei RAI-Südtirol, Künstlerischer Leiter des Musikfestivals KLANGfeste und der Konzertreihe PAULS SAKRAL in Südtirol, langjähriger Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros beim Kammermusikfest Lockenhaus.

Albert Seitlinger
Dramaturg der Jeunesse - Musikalische Jugend Österreichs, Publizist, langjähriger Programmredakteur beim Kammermusikfest Lockenhaus.

Christoph Thoma
Kultur- und Stadtmanager, Geschäftsführer von Culturelab e.U. und Die Stadtmanufaktur,Lehrbeauftragter am Vorarlberger Landeskonservatorium, seit 2017 Stadtrat in Bludenz, seit 2019 Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag (Kunst- und Kultursprecher).

Constanze Wimmer
Musikvermittlerin, Professorin und Vizerektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.


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